E-Commerce Branche sucht nach einem erfolgreichen Weg zum Social und Mobile Commerce

| 4. November 2009 | Keine Kommentare

Wir bringen Auszüge aus der Pressemitteilung, die pangora zum Abschluss des e-Commerce Kongresses herausgegeben hat. Besonders interessant ist, dass die einhellige Meinung ist, dass M-Commerce das Verbraucherverhalten komplett ändern wird und dieser Teilbewreich des e-Commerce in den nächsten jahren wachsen wird. Wie schnell das Wachstum vonstatten gehen wird, darüber sind sich die Experten noch uneinig. Wenn man sich stark mit M-Commerce beschäftigt, fällt das typisch deutsche Verhalten im Umgang mit neuen Technologien auf. Wie schon bei der Erfindung der Eisenbahn, wo vor gesundheitlichen Schäden durch die immense Geschwindigkeit von 6 km/h gewarnt wurde, gibt es auch dieses Mal wieder eine Hauptgruppe der Abwarter und Kritiker, die allzugerne erklären, warum etwas nicht funktionieren kann und eine kleinere Gruppe, die einfach macht und die Chancen nutzt.

In der beruflichen Praxis erlebt man diese Verhaltensweise fast täglich – da werden krampfhaft Argumentze gesucht, warum man lieber noch abwarten sollte, während andere einfach machen und mit ihren Erfahrungen lernen und täglich besser werden. Wir brauchen auch im M-Commerce die Kultur des Machens, selbst wenn zu Beginn nicht alles perfekt funktioniert. Die Early Adopters haben Verständnis und werden jeden Schritt in die richtige Richtung als Erfolg bejubeln.

Ich habe mir erlaubt, zu einigen der Aussagen meine eigene Meinung in kursiver Schrift hinzuzufügen, das ist zwar nicht sehr elegant, war mir aber bei einigen Aussagen wichtig. Dies insbesondere auch, weil einige Aussagen natürlich Company-driven passieren, der Sprecher also die Meinung seiner Firma wiedergibt.

Stan Laurent, CEO der Photobox-Gruppe Europe brachte es in seiner Key Note auf den Punkt: „Die Unternehmen, die es in Zukunft schaffen, die „Tupperware Economy“ digital umzusetzen, werden das Rennen um die Gunst des Kunden gewinnen.“ Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sei es besonders wichtig, den Wert des Kunden zu erkennen und seine Bedürfnisse zu bedienen. Heute ist der Kunde längst kein reiner Käufer mehr sondern möchte als aktives Mitglied im Gestaltungs- und Verkaufsprozess der Produkte angesprochen, überzeugt, unterhalten und begeistert werden.

Ja und nein. Man muss hier unterscheiden – nicht jeder will unterhalten werden und den Kaufvorgang durch Unterhaltung ausdehnen. Oft soll nur schnell etwas gesucht und gekauft werden.

Im anschließend von Jochen Krisch (Exciting Commerce) moderierten Diskussions-Panel zum Thema „E-Commerce Investment Trends“ diskutierten Vertreter renommierter Investment Unternehmen die erfolgreichsten und Erfolg versprechendsten Geschäftsmodelle der Online-Branche. Venture Capital Geber Frank Böhnke von Wellington Partners GmbH, Christian Leybold von der eVenture Capital Partners GmbH und Rainer Maerkle der Holtzbrinck Ventures GmbH waren sich einig: Es sind die Gründer innovativer Unternehmen, die den Trend bestimmen, nicht die Kapitalgeber.

Das sehe und erlebe ich nicht so, ganz im Gegenteil, die deutschen VC-Gesellschaften laufen Trends hinterher, die andere VC-Gesellschaften (vornehmlich aus USA)  durch ein erstes Investment in eine neue Idee geschaffen haben – in Deutschland bin ich als fast Follower erfolgreicher, als wenn ich mit einer wirklich neuen Idee komme. Deutsche kapitalgeber verstehen innovative Ideen oft nicht und wollen das dann aber nicht zugeben. Deshalb werden Gründe gesucht, warum man absagen kann, ohne das Gesicht zu verlieren. Und so werden dann kleine Themen zu no-gos hochstilisiert – obwohl der Kapitalgeber nur nicht nachfragen wollte Je komplexer das Thema ist, desto wahrscheinlicher ist diese Reaktion.

Laut aktueller Studien sind inzwischen 98 Prozent der 14- bis 64jährigen online – weiteres Wachstum im E-Commerce sei daher zu erwarten. Als großen Trend bzw. Herausforderung sehen die Investoren die erfolgreiche Umsetzung von Social Shopping Modellen. „Im Moment weiß noch niemand so genau, wie man Social Communities monetarisieren kann, aber alle versuchen es“, resümiert Rainer Maerkle von Holtzbrinck die aktuelle Situation. Es ist klar, dass dieser Bereich noch sehr viel Potenzial birgt. Frank Böhnke von Wellington erwartet, dass E-Commerce zukünftig unterhaltsamer werden wird: “Online-Shopping der Zukunft wird mit einer Entertainment-Komponente verbunden sein und von hohem User-Involvement geprägt sein. Ich glaube nicht, dass E-Commerce auf Dauer interessant bleiben wird, wenn man nur Produkte von vier Seiten betrachten kann.“ Für Christian Leybold von eVenture steht fest: „Das Vertrauen der Nutzer in das Internet nimmt zu!“ Nur so ließe sich erklären, dass auch Startups wie z. B. myfab.de online sehr teure Produkte verkaufen können – und zwar per Vorkasse. Gerade die gelernte Bereitschaft der Internet-Nutzer, sofort bei Bestellung zu zahlen, macht diese Branche interessant für Investoren. E-Commerce sei bei den Kapitalgebern also nicht mehr länger das schwarze Schaf unter den möglichen Investments. Viel mehr bevorzugen Venture Capital Unternehmen gerade in schwierigen Zeiten gerne Geschäftsmodelle, die nah an der Transaktion sind. Auf die Frage, in welche konkreten Geschäftsideen die Kapitalgeber denn gerne investieren würden, nannte Frank Böhnke weiterentwickelte Shopping Clubs. Rainer Maerkle würde gerne Social Network Modelle sehen, die an E-Commerce Modelle erfolgreich andocken können. Christian Leybold fasst das Thema etwas weiter und wünscht sich Business Modelle, die von reinem Retail abweichen.

Das hätte ich dann doch gerne etwas genauer erklärt. Fakt ist, dass deutsche Investoren gerade als besonders risikoscheu gelten und nicht begriffen haben, dass man zuerst in Reichweite investieren muss, bevor es ans Geld verdienen geht. Wenn man in Deutschland einem Kapitalgeber sagt, dass man in Reichweite investieren will, dann zieht so mancher Kapitalgeber sich zurück.

„Quo vadis E-Commerce?“ hieß es im anschließenden Panel. Frank Kemper (Internet World Business) diskutierte mit Niels Dörje (Google), Marianne Stroehmann (AOL Deutschland), Jürgen Seitz (United Internet Media), Dr. Thomas Ogilvie (DHL Paket Deutschland) und Dr. Stephan Zoll (eBay Deutschland).
Die Chancen der Branche wurden von allen Teilnehmern trotz der Krisenzeiten als sehr positiv bewertet und alle waren überzeugt, dass Online-Shopping weiter wachsen werde. Immerhin seien laut aktueller Studien erst 30 Prozent der Einzelhändler online vertreten und nur 3,5 Prozent der Einzelhandelsumsätze würden online erwirtschaftet.
„Die Online-Kunden der Zukunft werden das Internet bedarfsorientierter nutzen und weniger zentral kaufen“, meint Marianne Stroehmann von AOL. „E-Commerce wäre einen Schritt weiter“, glaubt Niels Dörje von Google und begründet damit die Wichtigkeit von Google Translator, „wenn es eine Lösung für die heute existierenden Sprachbarrieren gäbe“. „Service, und darin inkludiert kundenorientierte Lieferbedingungen, sind und bleiben kaufentscheidend und damit existenziell für jeden Online-Shop“, bekräftigt Thomas Ogilvie von DHL. „Vertrauen wird nach wie vor der Schlüssel zum Kunden sein“, prognostiziert Jürgen Seitz von United Internet Media. „Daher ist auch in Zukunft eine starke Marke wichtig, um erfolgreich zu sein.“ „In Zukunft wird der Erfolg eines Unternehmens bzw. der Wert eines Unternehmens neben der reinen Transaktion auch an der Partizipation seiner Nutzer gemessen werden“, erläutert Marianne Stroehmann. Niels Dörje von Google ist gespannt auf die Veränderungen, die der mobile Commerce mit sich bringen wird: “Es bleibt abzuwarten, wie der Kunde und der stationäre Handel mit dem mobilen Barcode Reader umgehen wird“.

Auf den Fall Quelle angesprochen glaubt die Mehrheit der Branchenexperten aber nicht an ein anhaltendes Sterben der Großen. „Es findet gerade eine Zäsur in der Tradition des Versandhandels statt“, konstatiert Thomas Ogilvie von DHL, „die wir als DHL/Post sicher spüren werden“. Quelle habe zu wenig auf Nachhaltigkeit gesetzt und sei zu aktionsorientiert gewesen, glaubt Jürgen Seitz von United Internet Media zu wissen. Dr. Stefan Zoll ist der Meinung, dass im Moment sehr wohl eine Art Konsolidierung des Marktes stattfindet und noch mehr Unternehmen vom Markt verschwinden werden.

Ob „Mobile Shopping vor dem Durchbruch“ steht, betrachtete Achim Himmelreich von Mücke, Sturm & Company und Vorsitzender der Fachgruppe E-Commerce beim BVDW e.V. „Die Startvoraussetzungen sind jetzt vorhanden“, resümiert Achim Himmelreich den Status Quo im M-Commerce, „aber ich erwarte keinen Big Bang sondern viel mehr eine langsame Eroberung“. Viele Anwendungsbereiche von Smartphones sind heute noch nicht ausgereift und es gibt noch viel Potenzial für neue Ideen“, glaubt der Branchen-Experte. Keiner könne sagen, wohin die Reise gehen wird, aber klar ist, dass das Smartphone das komplette Konsumentenverhalten ändern wird. Während reine Handy-Anwendungen wie iPhone Apps gerade boomen, gibt es im Bereich der Point-of-Sale Anwendungen für Smartphones wie den Barcode Reader noch wenig. Die damit mögliche Preistransparenz wird vor allem für den Handel eine große Herausforderung darstellen. Zwar gibt es dank NFC-Technologie (Near Field Communication) auch bereits die technischen Voraussetzungen, um mit dem Handy zu bezahlen, allerdings seien die politischen Voraussetzungen noch nicht soweit, um einen Massenmarkt zu ermöglichen. Auch Local Based Services und Mobile Ticketing Services sind bis dato sehr wenige vorhanden und müssen noch in ein tragfähiges Business Modell eingebunden werden. Achim Himmelreich erwartet mittelfristig eine breite Akzeptanz von Mobile Shopping in Deutschland und prognostiziert einen Umsatz von 920 Mio. Euro bis 2014. Zusammenfassend glaubt er, dass die reale Welt und das Internet verschmelzen werden zu einem großen Ganzen, das er Outernet nennt. In der Welt der Zukunft wird man am Point of Sale im stationären Handel mobil Preise im Internet vergleichen, per Handy bezahlen und sich im via Handy gefunden Restaurant um die Ecke mit Freunden aus der Community treffen.

Ich erwarte einen deutlich höheren Umsatz für M-Commerce, der aber zum Teil auch vom klassischen Online-Geschäft kommen wird.

Mit dem Thema „Mobile Shopping: Intelligente Distribution unabhängig von Ort und Zeit“ zeigte Tom Laband, Director Mobile Marketing bei der YOC-Gruppe, anhand von Best Practice Beispielen erfolgreich umgesetzte Mobile Marketing Maßnahmen. „Mobile Marketing ist kein Exot mehr im Marketing-Mix und in vielen Bereichen sehr erfolgreich“, bestätigt der Experte. „Mobile bietet die Vorteile von Online, ist noch genauer zu targeten und immer erreichbar!“ Viele mobile Shopping-Angebote seien analog zum Online-Pendant umgesetzt und heute schon sehr gut nutzbar. Lediglich die Kostenseite – sowohl die Verbindungskosten als auch die Transaktionskosten – seien noch zu teuer um massenmarkttauglich zu sein. Auch andere Probleme im M-Commerce kennt Tom Laband: „Es gibt ca. 8000 mobile Endgeräte. Es ist schwierig, mobile Kampagnen auf allen Geräten gleich abzubilden“. Grundsätzlich glaubt Laband, dass M-Commerce sich vor allem in Produktgruppen durchsetzen wird, wo Produktbilder und Haptik keine Rolle spielen wie dies z.B. bei Tickets, Fahrkarten und Flügen der Fall ist.

Einspruch Euer Ehren, das sehe ich nicht so, denn es gibt inzwischen sehr viele Produkte, die überall angeboten werden und wo ich ganz leicxht die Infos bekommen kann, die ich brauche, zum Beispiel über Testberichte. Da braucht es dann nur noch einen guten Preis und eine leichte, sichere Bezahlmethode.

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Kategorie: M-Business, Veranstaltungen

Über den Autor ()

Markus Burgdorf ist Journalist und PR-Berater. Als Geschäftsführer der deutschen Kommunikations-Agentur Avandy GmbH und Gründer der App Agency berät er Telekommunikationsunternehmen, App-Herausgeber und Firmen weiterer Branchen, die auf M-Commerce setzen möchten.

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