Delphistudie zur Zukunft der Informationsgesellschaft veröffentlicht

| 8. November 2009 | Keine Kommentare

Man kann viel vorhersagen, vieles vermuten, 1 und 1 zusammenzählen, aber wer wirklich wissen will, was uns in den nächsten Jahren erwartet, der kann jetzt tief eintauchen in die neue internationale Delphistudie zur Zukunft von IT, Telekommunikation und Medien. Sie enthält auf unglaublichen 302 Seiten alle Trends für die Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) und Medien bis zum Jahr 2030 und Handlungsempfehlungen für Politik und Wirtschaft. Während ich mich da gerade durcharbeite, habe ich mir überlegt, dass es sinnvoll ist, den Lesern dieses Blogs eine zweite Zusammenfassung eines der Herausgeber zu bieten und auch darauf hinzuweisen, wo man die Studie kostenlos runterladen kann:

Vertreter aus Wirtschaft und Wissenschaft stellten am 5. November 2009 in Berlin die internationale Studie „Zukunft und Zukunftsfähigkeit der Informations- und Kommunikationstechnologien und Medien“ vor. Rund 550 IKT-Experten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft wurden zu wesentlichen Entwicklungen ihrer Branchen für die kommenden zwanzig Jahre befragt. Die Kernbotschaften der Delphistudie sind:

  • Die zunehmende Digitalisierung geht mit einer weiteren Durchdringung aller Lebensbereiche mit Informations- und Kommunikationstechnologien einher und verändert unsere Informationsgesellschaft umfassend und nachhaltig.
  • Akzeptanz und Vertrauen der Menschen im Umgang mit IKT sind die Grundlage der Entwicklung einer modernen und offenen Informationsgesellschaft.
  • Leistungsfähige Kommunikationsnetze sind Voraussetzung für eine wettbewerbsfähige Informationsgesellschaft.
  • Die mobile Nutzung des Internets verändert die Informationsgesellschaft und schafft neue, eigenständige Anwendungsfelder.
  • Die dynamische Entwicklung der IKT-Basistechnologien hat umfassende Auswirkungen auf viele Schlüsselindustrien der deutschen Wirtschaft und auf die Mediennutzung.

Die Herausgeber der Studie – Münchner Kreis, EICT, Deutsche Telekom und TNS Infratest – wollen mit den Ergebnissen eine breite gesellschaftliche Diskussion über die Bedeutung und zukünftige Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologien und Medien anregen. Aus den Befragungsergebnissen leiten die Herausgeber zentrale Handlungsempfehlungen für Politik und Wirtschaft ab. Unterstützt wurde die Studie durch Siemens, Vodafone, Focus, VDE, SAP, Alcatel-Lucent Stiftung und IBM sowie im Rahmen des IT-Gipfel-Prozesses vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie.

Medienkompetenz stärken – Digitale Spaltung überwinden

Spätestens in zehn Jahren werden über 95 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland, Europa und den USA das Internet regelmäßig nutzen. Der Überwindung der Digitalen Spaltung gilt in Deutschland besondere Aufmerksamkeit: Die Bundesbürger verfügten im internationalen Vergleich noch nicht über genügende Kompetenzen im Umgang mit den neuen Technologien und Medien. „Politik und Wirtschaft sollten die Fertigkeiten der Bürger im Umgang mit dem Internet und mit digitalen Daten gezielt fördern. Dies wird sowohl die Akzeptanz der IKT insgesamt erhöhen als auch das Verantwortungsbewusstsein im Umgang mit den neuen Technologien schärfen“, sagte Robert A. Wieland, Geschäftsführer von TNS Infratest. Medienkompetenz wird nach Ansicht der befragten Experten auch im Arbeitsumfeld der Menschen immer mehr an Bedeutung gewinnen. „Die Kluft zwischen Gesellschaftsgruppen, die am digitalen Leben teilhaben und denen, die hiervon nicht profitieren, gilt es zu überwinden. Und zwar in mehrfacher Hinsicht: zwischen Stadt und Land, Alt und Jung sowie zwischen Menschen geringeren und höheren Bildungsstands“, sagte Prof. Arnold Picot, Vorstandsvorsitzender des Münchner Kreises.

Mobiles Internet gehört ab 2015 zum Alltag

Ab dem Jahr 2015 werden in Deutschland mehr Menschen das Internet regelmäßig über mobile Endgeräte als über stationäre Computer nutzen. Zukunftsweisende Applikationen sind vor allem Navigations-, Ortungs- und Lokalisierungssysteme, Communities, Assistenten sowie die visuelle Darstellung von umfeldbezogenen Informationen (Augmented Reality). Die Weiterentwicklung flächendeckender, mobiler Breitbandtechnologie werde eine stimulierende Wirkung auf alle Bereiche der Wirtschaft haben. „Die Nutzung des Internet über unterschiedliche Endgeräte und Netze hinweg wird für Menschen und in Unternehmen völlig neuartige Möglichkeiten schaffen, immer und überall auf Informationen, Inhalte und Anwendungen zuzugreifen“, betonte Christopher Schläffer, Chief Product & Innovation Officer, Deutsche Telekom AG.

IKT – Treiber für die deutsche Wirtschaft

Die Delphistudie zeigt, dass IKT in den kommenden Jahren vor allem in den zentralen deutschen Branchen Automobil, Automatisierung und Maschinenbau, Energie, Medien und im Gesundheitssektor als Wachstumsbeschleuniger und Innovationstreiber wirken wird. Die Wirtschafts- und Technologiepolitik der kommenden Jahre müsse den Technologietransfer und die Technologieentwicklung in und zwischen den Wirtschaftssektoren gezielt stimulieren, so die Verfasser. Damit könnten neue, international wettbewerbsfähige Geschäftsmodelle entstehen, Nachhaltigkeit wirksam unterstützt und der CO2-Ausstoß reduziert werden. „Durch die frühe Förderung und Umsetzung von Open Innovation kann die deutsche Forschung und Entwicklung ihre Wettbewerbsposition weltweit weiter ausbauen“, stellte Prof. Hartmut Raffler, Vice President, Siemens Corporate Technology, fest. Auch auf den Automobil- und Transportsektor werden laut Expertenbefragung IKT-Innovationen starken Einfluss nehmen. Erwartet wird ein hohes Potenzial neuer Systeme für die Fahrzeugkommunikation, für die Verminderung der Unfallzahlen und für die Stauvermeidung. Ab 2015, so die Studie, wird das Internet auf Deutschlands Straßen der zentrale Kommunikationszugang für fahrtrelevante Informationen, wie Routenplanung, Verkehrsinformationen und Gefahrenwarnung sein. „Der in Deutschland und Europa bereits eingeschlagene Technologiepfad wurde von den Experten bestätigt. Die Einführung kommerzieller Dienste ermöglicht es, die notwendigen Investitionen in die Infrastruktur teilweise zu refinanzieren“, so Prof. Jörg Eberspächer, TU München und Vorstand des Münchner Kreises.

Veränderte Mediennutzung

Spätestens 2024 wird das Internet das Unterhaltungsmedium Nummer 1 in Deutschland sein. Dennoch wird die demokratische Meinungsbildung weiterhin durch die öffentlich-rechtliche Rundfunkversorgung sichergestellt werden. Ab dem Jahr 2020 sei es für die Mediennutzer in Deutschland normal, ein und denselben Medieninhalt über verschiedene Träger zu nutzen – so werden zum Beispiel Zeitungsartikel auf dem mobilen Endgerät, Fernsehsendungen auf dem PC oder Internetinhalte auf dem Fernseher genutzt. Zeitungen und Zeitschriften würden nach Expertenansicht durch neue Medien ergänzt und in ihrer Nutzung konvergent erweitert. Danach wird es auch in den kommenden Jahrzehnten Zeitungen und Zeitschriften in Deutschland ganz klassisch auf Papier geben und nicht nur digital im Internet. Für über die Hälfte der Internetnutzer in Deutschland, Europa und den USA gehört es nach Expertenauffassung im Jahr 2015 zur Normalität, für den Abruf professionell erstellter Medieninhalte aus dem Internet, wie etwa Filme, elektronische Zeitungen und Zeitschriften oder Musik, zu bezahlen.

Die vollständige Studie steht zum kostenfreien Download bereit unter: www.zukunft-ikt.de, www.muenchner-kreis.de , www.eict.de, www.telekom.com/zukunftsstudie, www.tns-infratest.com/zukunftsstudie, www.siemens.de/muenchner-kreis-zukunftsstudie2009 oder www.bmwi.de.
Viel Stoff mit hoher Relevanz

Ich werde in den nächsten Wochen noch öfter einzelne Fundstücke aus der Studie vorstellen und kommentieren. Gerade die Themen M-Commerce, Mediennutzung und mobiles Internet interessieren mich besonders. 

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Kategorie: M-Business, M-Commerce, Mobiles Internet, Studien und Umfragen

Über den Autor ()

Markus Burgdorf ist Journalist und PR-Berater. Als Geschäftsführer der deutschen Kommunikations-Agentur Avandy GmbH und Gründer der App Agency berät er Telekommunikationsunternehmen, App-Herausgeber und Firmen weiterer Branchen, die auf M-Commerce setzen möchten.

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