Interessenverband der iPhone-Entwickler setzt sich kritisch mit dem iPad auseinander

| 30. Januar 2010 | Keine Kommentare

Es wird nicht mehr lange dauern und im iTunes Appstore liegen 200.000 Apps vor. Viele dieser Programme für den iPod touch und das iPhone stammen von deutschen Entwicklern. vieda heißt der Interessenverband der deutschen iPhone-Entwickler (http://www.vieda.de/). Er möchte die Stimme der deutschen Entwickler-Szene sein und zugleich mit gezielten Marketingaktionen dafür Sorge tragen, dass die angeschlossenen Programmierer auch Erfolg haben. Gerade erst am 1. November 2009 gegründet, verzeichnet vieda Ende Januar 2010 bereits 80 Mitglieder.

Die große Frage nach der Vorstellung des neuen Apple iPads am Mittwoch war natürlich: Wie sehen die vieda-Mitglieder das neue Gerät? Gibt es Kritik? Nehmen alle Entwickler das iPad begeistert an?

vieda-Mitbegründer Hanno Welch (iDay): „Grundsätzlich stehen wir dem iPad alle sehr positiv gegenüber. Wir glauben, dass Apple mit dem iPad fast alles richtig gemacht hat und damit tatsächlich eine neue Geräteklasse zwischen dem iPhone und dem iPod touch auf der einen Seite und dem Notebook auf der anderen Seite etablieren wird. Wir sind alle sehr neugierig auf das iPad und würden es gern sofort in den Händen halten und ausprobieren – um natürlich gleich erste Apps dafür zu entwickeln.“

vieda vermisst Multitasking-Fähigkeiten

Die vieda-Mitglieder gehen davon aus, dass das iPad nicht nur ein zusätzliches Medium für iPhone- und Mac-Anwender sein wird, sondern sich eigenständig völlig neue Usergruppen erschließen wird, die bislang noch nicht mit einem Computer arbeiten, weil er ihnen zu kompliziert ist. Wenn man das iPad wirklich nur einschalten muss und dann sofort mit dem Gerät loslegen kann, um Zeitschriften zu lesen, Spiele zu spielen oder Filme abzuspielen, wird das Anreiz für viele Computer-Muffel sein, diesem Gerät eine Chance zu geben.

Geteilter Meinung sind die vieda-Mitglieder in Bezug auf die Multitaskingfähigkeit des iPads. Die meisten Entwickler hätten diese Funktion ganz klar erwartet und sie auch direkt am neuen Prozessor festgemacht, der im iPad zum Einsatz kommt: Er ist definitiv stark genug, um mehrere Apps gleichzeitig laufen lassen zu können.

Einige Mitglieder verstehen aber Apples Entscheidung, auf die Multitasking-Funktion vorerst noch zu verzichten. So würden die Akkulaufzeit und die Stabilität des Systems deutlich unter einem Multitaskingbetrieb leiden.

vieda-Mitglieder sagen: Alle Apps müssen neu programmiert werden!

Apple hat verkündet, dass sich die bestehenden Apps aus dem AppStore auch auf dem neuen iPad nutzen lassen. Auf diese Weise kann Apple bereits bei der Einführung des iPads auf einen riesigen Fundus schon vorhandener Anwendungen und Spiele verweisen. Genau das sehen die vieda-Anwender allerdings kritisch.

Hanno Welch: „Das Meinungsbild unter uns App-Entwicklern fällt sehr eindeutig aus. Die Darstellung der App-Bildschirme in der iPhone-Originalgröße auf dem iPad ist für uns ebenso unbefriedigend wie das automatische Hochrechnen der Auflösung via Doublepixeling. In beiden Fällen geht man nur einen Kompromiss ein, der weder die Anwender noch die Entwickler überzeugen wird. Wir gehen davon aus, dass bestehende Apps explizit auf das iPad portiert werden müssen. Nur so können wir die Vorteile des iPads nutzen – etwa das größere Display und die Multifingergesten. Auch bietet das iPad in der Benutzerführung völlig neue Möglichkeiten, die weit über den größeren Bildschirm hinausgehen und die in vielen Bereichen eine ganz andere Konzeption der Apps erforderlich machen werden.“

Hanno Welsch weist auch darauf hin, dass die Portierung auf das iPad nicht bei jeder Anwendung Sinn ergibt: „So kann man GPS-Anwendungen ebenso vergessen wie kameraorientierte Apps.“

Die vieda-Entwickler gehen demnach davon aus, dass sie Anwendungen künftig getrennt für beide Plattformen entwickeln müssen, um so die Vorteile beider Geräte gezielt zu nutzen. Aus Kostengründen universelle, auf beiden Plattformen gleich laufende Apps zu schaffen, die letztlich nur einen Kompromiss darstellen können, wird nicht die Maxime der in vieda organisierten professionellen Entwickler sein.

Die Frage für die Kunden wird sein, ob sie in Zukunft gleich zwei Mal für eine App zahlen müssen, wenn sie gleichzeitig auf dem iPhone und auf dem iPad zum Einsatz kommen soll. Sinnvoll wäre an dieser Stelle sicherlich ein Kombiangebot zum Vorteilspreis, das beide Apps enthält. Auch darüber werden die vieda-Entwickler in den kommenden Wochen diskutieren müssen.

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Kategorie: Nachrichten, Neue Geräte, Pressemitteilungen

Über den Autor ()

Markus Burgdorf ist Journalist und PR-Berater. Als Geschäftsführer der deutschen Kommunikations-Agentur Avandy GmbH und Gründer der App Agency berät er Telekommunikationsunternehmen, App-Herausgeber und Firmen weiterer Branchen, die auf M-Commerce setzen möchten.

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